Krebs – so können Kinder damit umgehen

Wie kam es dazu, dass du das Thema Krebs in einem Kinderbuch thematisierst?

Als mein Vater die Diagnose Krebs erhielt, stand ich vor der Frage, wie ich das meinem Kind erkläre. Ich glaube an die Kraft der Bilderbücher und habe so eines gesucht. Es gab viele Bücher, aber das Richtige für mich war nicht dabei. Ich suchte eines, welches Raum für die eigene Sichtweise lässt, mich in der Diskussion über den Tod unterstützt und meinem Kind keine Angst macht. Da ich durch meine Situation viele Erfahrungen gemacht habe, wie mein Sohn mit dem Thema umgeht, entstanden die ersten Sätze. Ich wollte etwas schaffen, dass trotz der traurigen Situation stets positiv bleibt. Es sollte bunt und jederzeit zu lesen sein. Auch wollte ich verhindern, dass meine eigene, grosse Angst auf meinen Sohn überschwappt. Zum Beispiel das Krankenhaus – mir war es ein Graus – war für mein Sohn sehr spannend. Und so wusste ich, dass ich aus der Sichtweise der Kinder schreiben möchte. Mein grösster Traum war es immer ein Kinderbuch zu veröffentlichen, und so entschloss ich mich, mit diesem Thema zu starten.

Darf Krebs und die tragischen Leidensgeschichten, die oft mit dem Tod enden aus Kindersicht als „grösstes Abenteuer der Welt“ dargestellt werden?

Ich finde, dass der Tod als ein Abenteuer gesehen werden darf. Ob es nun das grösste ist, weiss ich nicht, aber sicher ein Abenteuer. Das ist aber wie gesagt meine Sichtweise. Ich sehen das Leben als Abenteuer und stelle mir den Tod als ein weiteres vor.

Wie waren die Reaktionen auf die Publikation deines Buches zu dieser schweren und hochemotionalen Problematik? Besteht bezüglich Krebs noch immer ein gesellschaftliches Tabu, bzw. kommunikatives Unvermögen?

Ich habe gemerkt, dass es zwei Gruppen und zwei Perspektiven gab. Die einen Erwachsenen, die zuerst Mühe damit hatten, als ich erzählte, dass das Buch den Tod thematisierte. Das sei aber traurig, hiess es dann. Sie wollten wohl ihre Kinder davor beschützen, oder das Thema noch auslassen. Die Anderen waren erleichtert, ein Buch zu finden, dass Ihnen eine Sichtweise vermittelt und sie somit die Basis für einen Diskussion haben. Das Feedback war riesig und enorm positiv. Ich habe viele persönliche Geschichten erfahren. Ein Kind kam zu mir und sagte mir, dass es nun wisse, dass es seiner Mutter gut gehe. Da kamen mir die Tränen. Ich bin glücklich, dass die Menschen das Buch als Anstoss zur Diskussion benutzen und Eltern erfahren, was ihre Kinder über den Tod denken.

Das Buch ist unter  www.picoundich.ch zu finden. ISBN 978-3-033-04244-5
Oder beim Herder Verlag ISBN 978-3-451-71368-2

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