Venenmittel auf dem Prüfstand

Viele Venenmittel erweisen sich als wirkungslos

Das Magazin „Ökotest“ nahm bereits mehrfach pflanzliche Venenpräparate zum Einreiben und Einnehmen unter die Lupe. Im Test von 2011 erhielten nur sechs von dreissig getesteten Produkten die Note „sehr gut“. Bei 17 Arzneimitteln wurde ein „ungenügend“ vergeben. Bei vier Präparaten endete die Bewertung sogar bei einem „mangelhaft“. Die Testergebnisse fielen 2013 erheblich besser aus. Getestet wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch nur 13 Produkte, von denen nur eines bei den Probanden durchfiel. Die restlichen Pharmazeutika wurden mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet.

Als positiv bewerteten es die Testpersonen, wenn die Hersteller der Medikamente darauf hinweisen, dass Betroffene auch andere Massnahmen zur Linderung ihrer Beschwerden anwenden sollten. Denn wie sich herausstellt, sind diese Massnahmen weitaus wirksamer als alle Salben und Gels. Lediglich den innerlich einzunehmenden Venenheilmitteln schrieben die Versuchspersonen überhaupt eine Wirkung zu. Damit liegt die Vermutung nahe, dass die Verbraucher der äusserlich anzuwendenden Arznei um des Profits willen über die tatsächlichen Effekte getäuscht werden.

Rosskastanienpräparate schneiden am besten ab

Wenn die Beine schwer werden, schmerzhafte Spannungsgefühle zeigen und mit Ödemen auf eine Venenschwäche aufmerksam machen, muss der Betroffene handeln. Neben kalten Güssen und Wechselduschen sind Kompressionsstrümpfe und Gehtraining als dauerhafte Massnahmen sinnvoll. Salben und Gels lindern lediglich akute Beschwerden. Sie stillen Juckreiz, mindern Schwellungszustände und Schmerzen – jedoch nur bei längerer Anwendung. Salben mit Trockenextrakten der Rosskastanie helfen nachweislich erst ab mindestens 2 Wochen. Als therapeutische Begleitmassnahme sind nur innerlich anzuwendende Arzneimittel nützlich.

Wichtig ist aber, wie viel Aescin ein Venenpräparat enthält. Der Aescin-Gehalt eines Rosskastanienpräparates gilt als Indikator, der für die Linderung der Beschwerden elementar ist. Rosskastanienmedikamente, die keinen Aescin-Gehalt von 100 Milligramm erreichen, sind in der Wirkung wenig effektiv. Rosskastanienprodukte wie „Venostasin Salbe“ sind laut Ökotest eher fragwürdig in der Wirkung. Wesentlich besser stuften die Testpersonen im Jahr 2011 die oral einnehmbaren Rosskastanienarzneimittel ein. Hier konnten Zubereitungen wie „Aescorin Forte“ von Steigerwald, „Noricaven retard“ von Bionorica oder „Venen-Tabletten retard“ von Stada neben Ratiopharm Venentabs, „Venoplant retard S“ von Dr. Willmar Schwabe oder „Venoruton retard“ von Novartis die besten Bewertungen erzielen. Zwei Produkte wurden wegen gesundheitsschädlicher Hilfsstoffe nicht positiv bewertet. Zwei weitere erhielten wegen mangelnder Angabe des Aescin-Gehalts keine gute Note.

Wirkungen der meisten Trockenextrakte sind zweifelhaft

Die Wirkung von Rosskastanienextrakt zur Einnahme ist durch entsprechende Studien medizinisch gut belegt. Wissenschaftlich wurde die therapeutische Wirkung von Pharmazeutika auf Basis von Weinlaubextrakten jedoch nur durch eine einzige medizinische Studie belegt. Der Verkaufsklassiker auf Basis von Weinlaubextrakten – Antistax Venenkapseln von Boehringer Ingelheim – wurde von den Testern des Ökotest-Magazins nur als „befriedigend“ bewertet. Diese Kapseln dürfen jeweils nur drei Monate am Stück eingenommen werden. Keine ausreichend überzeugenden Wirksamkeitsbelege sind auch für Rutosid-haltige Produkte zu finden. Schlecht schnitten auch Mittel auf Basis von Troxerutin ab. Für die Abklärung der Wirksamkeit reicht die bisherige Datenlage nicht aus. Preiswerte und niedrig dosierte Venenpräparate wie „Venolot Depot“ oder „Veno SL 300“ wurden daher mit „ungenügend“ bewertet.

Sämtliche Venensalben und Gels sind unwirksam

Gels und Salben werden von vielen Venenpatienten als hilfreich empfunden. Die Probanden von Ökotest bezweifeln jedoch, dass diese – jenseits des angenehmen Massage- oder Kühleffektes – eine ähnlich gute Wirkung haben wie die innerlich anzuwendenden Venenheilmittel. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die erforderlichen 100 mg Rosskastanienextrakt über die Haut aufgenommen werden können. Die diesbezüglichen Zweifel erstreckten sich auf sämtliche Salben und Gels, unabhängig von deren Wirkstoff. Auch Präparate mit Heparin, Salicylaten oder Chondroitin wurden negativ beurteilt. Venenmittel mit geringem Wirkstoffgehalt, die rein kosmetische Wirkungen versprechen, wurden noch schlechter beurteilt. Hier sei die pharmakologisch relevante Wirkstoffdosis auf ein Mindestmass reduziert und könne folglich auch keine nennenswerte Wirkung entfalten. Wenn auf der Verpackung einer Venensalbe „Kosmetikum“ statt “Arzneimittel” steht, ist die Wirkung des Produktes äusserst zweifelhaft.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine weitere Untersuchung aus dem Jahre 2013, bei welchem die Mediziner sieben Venensalben zu bewerten hatten. Den Testergebnissen zufolge erreichen die Wirkstoffe bestenfalls die weiter oben liegenden kleinen Gefässe, nicht aber die tiefer liegenden Venen. Auch viele Heparinsalben halten nicht, was die Marketingstrategen versprechen. Einige Hersteller haben aufgrund dieser Testergebnisse ihre Werbeversprechen abgemildert und verallgemeinert. Es bleibt den Venenpatienten also nichts als die Erkenntnis, mit Kompressionsstrümpfen und viel Bewegung etwas gegen das Venenleiden zu unternehmen und weiterhin regelmässige Checks beim Phlebologen zu absolvieren.

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  1. Van Noort

    22. Januar 2018 um 00:02 Uhr

    Bitte wo können wir Aescorin Forte Kapseln bestellen.?
    Dank für Ihren Antwort,
    Mit frdl. GRÜssen
    Frau H. Van Noort

  2. Sonja Häusler

    30. April 2018 um 10:29 Uhr

    Warum nur haben so viele Venenmedikamente sooo viele ungesunde Hilfs bzw.Füllstoffe die kein Mensch braucht. Warum ist das überhaupt vom Gesetz her erlaubt. Traurig aber wahr!!!

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