Weshalb Bio? — Bio Zertifikate im Vergleich

Zu aller erst einige Fakten auf die Hand. Auf die Hand, weil all unsere Lebensmittel durch die verschiedensten Hände laufen, bis sie zu uns gelangen.
Auf dieser Erde leiden 800 Millionen Menschen unter Hunger — obwohl genügend Lebensmittel produziert werden. Zwei Drittel dieser Menschen sind in der Lebensmittelindustrie tätig, in welcher Produkte hergestellt werden, die wir konsumieren. Millionen von Bäuerinnen und Landarbeitern erleiden Vergiftungen von Pestiziden. Insbesondere in Entwicklungsländern, wo zu wenig über angemessene Schutzkleidung und die Verwendung der hochgiftigen Substanzen aufgeklärt wird, sind die Folgen von nichtbiologischer Landwirtschaft weitgreifend. Um Arbeitsverhältnisse zu unterstützen, die eine langfristige Ernährungssouveränität sichern, (Recht aller Völker, ihre Landwirtschafts- und Ernährungspolitik selber zu definieren und ihre Nahrung ökologisch, sozial und lokal zu produzieren) ist die ökologische Denk- und Handelsweise von Wichtigkeit. Gemäß der heutigen Wissenschaft, ist eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft die einzige Möglichkeit, unseren Planeten und dessen Bevölkerung auch zukünftig mit lebendiger und qualitativer Nahrung zu beliefern.

Im Biolandbau werden im Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft keine chemisch-synthetischen Pestizide und keine leichtlöslichen Mineraldünger in die Erde oder auf die Pflanzen gegeben. In 70 Prozent des konventionell erzeugten Obstes und Gemüses finden sich Rückstände von Pestiziden. Es verwundert nicht, dass die Umstellung von einem konventionell geführten Landwirtschaftsbetrieb zu einem Biologischen, mindestens zwei Jahre dauert. Grund dafür ist, dass sich die Produktionsgrundlage Boden von den Herbiziden (starke Unkrautbekämpfungsmittel), den Insektiziden (chemische Substanzen gegen schädlich angesehene Insekten), den Fungiziden (gegen Pilzkrankheiten), sowie den chemisch-synthetischen Stickstoffdüngern erholen muss. Die Rückstände dieser Anwendungen findet man nicht nur im Boden, sondern auch in den konventionell angebauten Lebensmitteln. Bisher weiss man noch viel zu wenig über die Mehrfachbelastung von Pestiziden in unserer Nahrung. Nachgewiesen ist, dass Bioprodukte gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe wie Antioxidanten in viel grösseren Mengen enthalten als konventionelle Produkte. Patentrechte wollten ursprünglich einen Anreiz schaffen, in die Zucht von neuen Pflanzensorten zu investieren. Heute verwehren diese Patentrechte, dass Bauern Saatgut verwenden, das sie aus ihrer eigenen Ernte gewinnen. Dies erstellt eine Abhängigkeit zwischen Saatgutkonzern und LandwirtIn. Die konventionellen LandwirtInnen beziehen somit ihr Saatgut von Grosskonzernen wie «Monsanto», «DuPont» und «Syngenta» (welche einen Marktanteil von über 50 Prozent weltweit ausmachen). Diese Riesen sind daran interessiert, dass die Landwirtschaftsbetriebe abhängig von ihnen werden und somit regelmäßig Saatgut bei ihnen beziehen. Es wird Saatgut entwickelt, das die Verwendung von Pestiziden voraussetzt. Sprich, ein konventioneller Bauer kann sein Saatgut nicht ohne Pestizide verwenden — ein Teufelskreis.
Sich für Bioprodukte anstelle von konventionellen Produkten zu entscheiden, heißt auch das biologische Saatgut zu fördern, die Artenvielfalt aufrecht zu erhalten und die Machtsysteme, welche die Saatgutkonzerne aufgestellt haben zu umgehen.

Der Grundgedanke von Bio-, Öko- oder Demeter-Richtlinien ist, die Gesundheit der Umwelt, Böden, Gewässer, Biodiversität, Pflanzen, Tiere, Menschen und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu sichern.

Entscheidet man sich für Biologische Produkte, ist es ein nächster Schritt, Klarheit zwischen den Bio-Zertifikaten zu finden. Die nachstehenden Informationen zur «EU-Bioverordnung», «Bio-Suisse» und «Demeter» können dabei helfen, Qualitätsunterschiede, Preisunterschiede und Herstellungsunterschiede ausfindig machen zu können. Viel Freude beim Informieren.

EU-Bioverordnung (seit 1990)

Verwendet man den Begriff «Bio« oder «Öko» müssen die gesetzlichen Grundlagen von der EU-Bioverordnung erfüllt sein.

Unterschied zur Schweizer-Bioverordnung

Während in der EU-Bioverordnung Teile des Landwirtschaftsbetriebes biologisch und Teile konventionell bewirtschaftet sein dürfen, muss ein Schweizer Biobauer, eine Schweizer Biobäuerin die gesamte Landwirtschaft unter den Bio-Richtlinien führen.

Dünger

Im Biolandbau dürfen hauptsächlich natürliche Dünger eingesetzt werden, welche der Boden selber mineralisieren kann. In der EU-Bioverordnung ist der Zukauf von Stickstoffdüngern nicht limitiert. Von den natürlichen Handelsdüngern sind Blut-, Tier und Knochenmehle zugelassen. Gülle, Jauche und Geflügelkot dürfen zudem aus konventioneller Herstellung dem Boden zugefügt werden.

Kupfereinsatz

Kupfer hilft bei der Bekämpfung von Pilzkrankheiten. Kupfer wirkt jedoch sauer auf den Boden und ist deshalb umstritten in der biologischen Landwirtschaft. Mit 6 Kg pro Hektar pro Jahr ist der erlaubte Einsatz von Kupfer in der EU-Bioverordnung der höchste der hier vorgestellten Bio-Label.

Hors-Sol Anbau

Unter Hors-Sol-Anbau versteht man die bodenfreie Produktion von Pflanzen. Damit die Pflanzen ohne Erde aber mit Steinwolle, Kokosfasern oder Schaumstoff wachsen, wird ihnen eine über Computer gesteuerte Nährstofflösung aus Wasser, verschiedenen Mineralien und Dünger zugefügt. Ein Vorteil von Hors-Sol kann sein, dass das System platzsparend und effizient ist, da die Nährstoffzuführung der Pflanzen über ein Computer geregelt werden kann. Zudem brauchen die Früchte zwei bis drei Monate weniger bis zur Reife.
Ein grosser Nachteil des Hors-Sol-Anbaus besteht darin, dass der Energieaufwand von der Beheizung der Gewächshäuser, sowie der technischen Ausstattung sehr gross sind. Zudem ist die Herstellung teurer, was sich auf den Preis des Endproduktes ausschlägt. Produkte von der EU-Bioverordnung zertifiziert sind, erlauben den Anbau mit Hors-Sol.

Beheizung der Gewächshäuser

Betriebe die unter der EU-Bioverordnung wirtschaften, dürfen ihre Gewächshäuser sowie den Gemüsebau ohne Einschränkung beheizen.
Die Anzahl der erlaubten Zusatzstoffe beträgt 47

Bio Suisse (seit 1981)

Rund 90% der Schweizer Biobauern sind mit dem Label «Bio Suisse» zertifiziert. Dies entspricht rund 5’700 Landwirtschaftsbetriebe. Auch Produkte aus dem Ausland können von Bio Suisse zertifiziert werden. Die Anforderungen an diese sind nur leicht abweichend von denen in der Schweiz. Zu erkennen ist das Bio Suisse Zertifikat an dem Knospen Symbol.

Unterschied zur EU-Bioverordnung bezüglich der Betriebsführung

Schweizer Biobauern müssen den gesamten Betrieb biologisch bewirtschaften.

Dünger

Stickstoffdünger sind für Betriebe unter dem Label Bio Suisse beschränkt, da mindestens 50% des Hofdüngers auf der eigenen Fläche ausgebracht werden muss. Fleischknochenmehle sind erlaubt und auch konventionelle Wirtschaftsdünger, jedoch nur, wenn keine Bio Variante zur Verfügung steht. Es dürfen keine Tiere mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert werden.

Kupfereinsatz

Kupfer hilft bei der Bekämpfung von Pilzkrankheiten. Kupfer wirkt jedoch sauer auf den Boden und ist deshalb umstritten in der biologischen Landwirtschaft. Die Menge des Kupfereinsatzes von Bio-Suisse Betrieben ist niedriger als Höfe der EU-Bioverordnung.

Hors-Sol Anbau

Unter Hors-Sol-Anbau versteht man die bodenfreie Produktion von Pflanzen. Damit die Pflanzen ohne Erde aber mit Steinwolle, Kokosfasern oder Schaumstoff wachsen, wird ihnen eine über Computer gesteuerte Nährstofflösung aus Wasser, verschiedenen Mineralien und Dünger zugefügt. Ein Vorteil von Hors-Sol kann sein, dass das System platzsparend und effizient ist, da die Nährstoffzuführung der Pflanzen über ein Computer geregelt werden kann, zudem brauchen die Früchte zwei bis drei Monate weniger bis zur Reife.
Ein grosser Nachteil des Hors-Sol-Anbaus besteht darin, dass der Energieaufwand von der Beheizung der Gewächshäuser, sowie der Technische Ausstattung sehr groß sind. Zudem ist die Herstellung teurer, was sich auf das Endprodukt ausschlägt. Die Grundlage des Biolandbaus ist ein gesunder Boden. Die Produktion von Hors-Sol-Produktion kommt deswegen nicht in Frage.

Beheizung der Gewächshäuser

Es darf nur vom 1. Dezember bis Ende Februar auf maximal 5 Grad geheizt werden. Falls das Gewächshaus gut isoliert ist, darf in der angegebenen Zeit auf bis zu 10 Grad geheizt werden. Bei Jungpflanzen darf das Gewächshaus, sofern es gut isoliert ist, ganzjährig beheizt werden.
Die Anzahl der erlaubten Zusatzstoffe beträgt 34

Demeter (seit 1954)

Demeter baut auf anthroposophischen Grundlagen auf. Es wird viel Wert auf einen geschlossenen Hofkreislauf gelegt, das bedeutet, dass sich der Betrieb bezüglich Futter und Nährstoffen (Dünger) selber versorgt. Die zusätzliche Beachtung von kosmischen Einflüssen wie Mond und Planeten wird berücksichtigt. Die Demeter-Landwirte richten sich nach dem «Landwirtschaftlichen Kurs», den Rudolf Steiner 1924 in Koberwitz vorgetragen hat. Auf Demeter-Betrieben dürfen Kühe ihre Hörner behalten.

Unterschied zur EU-Bioverordnung bezüglich der Betriebsführung

Schweizer Biobauern müssen den gesamten Betrieb biologisch bewirtschaften.

Dünger

Stickstoffdünger sind für Betriebe unter dem Label Demeter stark beschränkt. Pro Jahr dürfen nur 40 kg Gesamtstickstoff pro Hektar ausgetragen werden. Fleischknochenmehle sind zwar erlaubt aber nur von biologischen oder biodynamischen Tieren.
Demeter erlaubt keine Gülle, Jauche oder Geflügelkote aus konventioneller Tierhaltung. Die Anwendung von konventionellen Wirtschaftsdüngern ist stark limitiert.

Kupfereinsatz

Kupfer hilft bei der Bekämpfung von Pilzkrankheiten. Kupfer wirkt jedoch sauer auf den Boden und ist deshalb umstritten in der biologischen Landwirtschaft. Der Kupfereinsatz ist in den Demeter Richtlinien stark eingegrenzt.

Hors-Sol Anbau

Unter Hors-Sol-Anbau versteht man die bodenfreie Produktion von Pflanzen. Damit die Pflanzen ohne Erde aber mit Steinwolle, Kokosfasern oder Schaumstoff wachsen, wird ihnen eine über Computer gesteuerte Nährstofflösung aus Wasser, verschiedenen Mineralien und Dünger zugefügt. Ein Vorteil von Hors-Sol kann sein, dass das System platzsparend und effizient ist, da die Nährstoffzuführung der Pflanzen über ein Computer geregelt werden kann, zudem brauchen die Früchte zwei bis drei Monate weniger bis zur Reife.

Ein grosser Nachteil des Hors-Sol-Anbaus besteht darin, dass der Energieaufwand von der Beheizung der Gewächshäuser, sowie der Technische Ausstattung sehr groß sind. Zudem ist die Herstellung teurer, was sich auf das Endprodukt ausschlägt. Demeter setzt sich als Ziel, eine fortwährend kohlendioxidreiche Hummusschicht im Boden zu schaffen (ein sehr nahrhafter Boden), um zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft beizutragen. Die Produktion von Hors-Sol-Produktion kommt nicht in Frage.

Beheizung der Gewächshäuser

Es darf nur sehr beschränkt beheizt werden. Mithilfe der Beheizung darf der Sommer etwas länger gemacht werden im Herbst und etwas früher beginnen im Frühling. Mit der Jungpflanzenanzucht gibt es einige Ausnahmen.
Erlaubt sind nur absolut notwendige Zusatzstoffe sowie Prozesshilfstoffe.

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