Zollinger Samen

Anfang der 1980er Jahre wurde die Saatgutproblematik in wissenschaftlichen Veröffentlichungen erstmals thematisiert. Bereits 1984 beschäftigten sich Christine und Robert Zollinger im Thurgau mit der biologischen Zucht und Vermehrung von Blumen, Kräutern und Gemüsesorten. Nach 3 Jahren konnten sie endlich ein überschaubares Samensortiment anbieten und schufen damit eine lang ersehnte Alternative zum industriell produzierten Saatgut. Im Jahre 1991 konnten sie in Les Evouettes (VS), in der Nähe des Genfer Sees, eine ca. 25 ha grosse Betriebsfläche erwerben, die die Basis dafür bildete, den Anbau und auch das Artenspektrum deutlich aufzustocken. Heute wachsen und gedeihen in jenem riesigen Samengarten mehr als 300 Pflanzenarten, deren Samen seit 2006 auch via Internet bestellt werden können.

Die Philosophie dahinter

Von Anfang an standen für jede Sorte eine selbstständige Saatgutvermehrung sowie eine eigene, rein biologische Entwicklungszucht, die absolut frei von Gentechnik sein musste, im Fokus. Die Reinigung, das Dreschen und das Abpacken erfolgen nach wie vor in Handarbeit. Daran schliesst sich dann in Eigenregie eine Direktvermarktung per Post zum Beispiel als Verkauf an Ökoläden an.

Wachsendes Sortiment

Die meisten Zollingersamen haben gerade wegen des Familienbetriebs ihre ganz individuelle Geschichte. So manches spezifische Anbauwissen wurde hier als „ungeschriebenes Gesetz“ von Mutter an Tochter weiter vermittelt. Es gibt zum Beispiel Lokal- und Regionalsorten, deren Namen und Bezeichnungen mit den ursprünglichen Anbaugebieten assoziiert sind und dort durch die Anwohner besonders gepflegt und geschätzt wurden. Gerade in den Hausgärten sind die offen abblühenden Sorten, die insbesondere aus der Auslese- und Kreuzungszucht hervorgegangen sind, sehr begehrt.

Es existiert aber auch eine produktive Rückkopplung in umgekehrter Richtung, denn auch die Kunden geben wertvolle Hinweise auf andere Sorten und Arten, die dem Hobbygärtner hinsichtlich Widerstandsfähigkeit, Geschmack, Ertrag, Nahrhaftigkeit oder auch Schönheit besonders positiv aufgefallen sind. Solchen Korrespondenzen liegen dann sogar oftmals gleich Samenproben bei, die in der Tat sogleich im extra dafür eingerichteten Versuchsgarten ausgesät werden, um die ausgelobten Eigenschaften im Vergleich mit anderen ähnlichen Sorten zu prüfen.

Wenn dann die eingesandten Proben für eine Anpflanzung in den heimischen Hausgärten sprechen, werden daraus die besten Exemplare für die Saatgutproduktion extrahiert und die neuen sortenspezifischen Erfahrungen dokumentiert. Das erfordert allerdings in der Regel etwas Zeit, typischerweise 3 bis 5 Jahre. Diese Arbeit ist sehr wichtig für den Erhalt der Pflanzenvielfalt, denn wegen der Saatgutproblematik und der Sortenerosion geht fast täglich wertvolles Erbmaterial verloren. Im besten Fall wird manches Erbmaterial noch in sogenannten Genbanken gespeichert, ob es aber jemals wieder seine Pracht entfalten wird, bleibt ungewiss.

Das Hortikulturgut-Logo

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Ganz besonders wertvolle Pflanzensorten erhalten die Auszeichnung „Horti-Kultur-Gut“. Dafür müssen aber strenge Kriterien erfüllt werden:
Aufgrund historischer, kultureller oder genetischer Eigenschaften stellt die Pflanze fast für den gesamten Alpenraum eine traditionelle Kulturpflanze dar.
Das Attribut „offenabblühend“ bedeutet, dass jeder die Samen aller Sorten selbst nachziehen kann. Ein freier Zugang zu diesen Sorten muss gewährleistet sein, und die Sorten dürfen nicht patentiert sein. Eine Hybridisierung oder gentechnische Veränderung darf nicht stattgefunden haben.
Der hortikulturelle Wert bildet sich ab in der Robustheit der Pflanze und in sicheren Erträgen. Darüber hinaus steht die Pflanze für eine genussvolle und sättigende Ernährung, oder sie gehört in die Rubriken Heil-, Gewürz-, Färber-, Zier- oder Duftpflanze.
Die Sortenerhaltung der Hortikulturgutpflanzen erfolgt ausschliesslich in der Schweiz, weil die Pflanzen besonders gut an die gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen in der Schweiz angepasst sind.
Die Entwicklungszucht besteht darin, dass die Sorten regelmässig angebaut werden, um die wertvollsten Pflanzen auszusortieren. Nur deren handverlesene Samen werden dann weitervermehrt. Auf diese Weise werden die Sorteneigenschaften langfristig gesichert und noch vervollkommnet.
Wenn so die ständige Versorgung mit hochwertigem Saatgut gesichert ist, ist zugleich gewährleistet, dass das sortenspezifische Kultur- und Anbauwissen permanent erhalten und sogar verbessert werden kann.
Die Sorten sollen insbesondere für den biologischen und kleinstrukturierten Anbau, also für die biologische Zucht und Vermehrung geeignet sein.

Eine sehr praktische Hilfe für jeden Hobbygärtner bietet der „Aussaat-Kalender“, der im Internet kostenlos heruntergeladen werden kann. Er enthält u. a. auch wertvolle Anleitungen für die Anzucht von Setzlingen für Tomaten, Paprika und Auberginen.

www.zollinger-samen.ch

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