Vom Feld in den Supermarkt?

Zu beginn der Nahrungsmittelkette steht das Saatgut. Mehr als 12’000 Jahre wurde Wissen und Saatgut von Ahnen zu Ahnen weiter gereicht und so immer mehr auf uns abgestimmt. Das Saatgut wurde ausgetauscht, aufbewahrt und weitergegeben. Noch heute reichen wir diese Kultur weiter… Aber welche Kultur ist es heute? Kommerzielles Saatgut.
Während wir wertvolles Saatgut verlieren, verlieren wir Kultur, wertvolle Lebensmittel und mehr…

Masanobu Fukuoka, Autor des Buches «The One Straw Revolution» meint, dass man einen Aspekt nicht vom anderen isolieren kann. Wenn wir die Art und Weise verändern wie wir Pflanzen wachsen lassen, verändern wir unser Essen, verändern wir unsere Gesellschaft und verändern unsere Werte.

Kommerzielles Saatgut lässt die Pflanzen gut aussehen, aber der Anblick allein kann täuschen. Die meisten der heutigen Samen sind Mischformen aus Inzucht. Kommerzielles Saatgut ist ein Resultat der Vermählung von Giganten — Saatgutkonzerne mit Chemiekonzernen. Diese Groß Konzerne manipulieren das Saatgut so, dass Landwirte abhängig von Ihnen werden. Das Saatgut ergibt nur essbares Gemüse, Getreide und essbare Früchte beim Gebrauch von Pestiziden und Düngern. Dazu kommt, dass die Landwirte nicht mehr ihre eigenen Samen ernten können, weil sie auf einmaligen Gebrauch manipuliert wurden. Das heißt, der Landwirt muss nach jeder Ernte wieder neues Saatgut einkaufen, anstelle sein eigenes zu gewinnen. Ein Teufelskreis.

Und es geht weiter. Die Giganten haben auch abgelegene Völker erreicht und von ihrem Saatgut und ihren Pestiziden abhängig gemacht. Die Warnvorschriften auf den Verpackungen der Pestizide und Dünger können oft, aufgrund mangelnder Bildung nicht gelesen werden uns so wird ungeschützt damit gearbeitet. Die Pestizide dringen durch die Haut in den Körper ein. Nährt eine Mutter ihr Kind, sind die Pestizide in der Muttermilch enthalten…

Es ist die Zeit der Massenproduktion. Es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Und es gibt diese, die Mut machen. Die versuchen, diese Groß Konzerne irrelevant zu machen, sie zu umgehen. Eigenes Saatgut zu sammeln und weiter zu reichen.

Aber was ist so falsch an Massenproduktion? Wenige Firmen auf diesem Planeten mit viel Geld regieren unser Nahrungsmittel-System. Nicht nur die Lebensmittel an sich, die ganze Nahrungsmittelkette hat ein Mangel an Qualität. Olivier de Schütter, Sonderbeauftragter der UN für das Recht auf Nahrung wollte eine “einfache“ Frage beantworten: Währe es möglich die Welt mit nachhaltigen Landwirtschaftsbetrieben zu ernähren? Das heißt, keine Monokulturfelder sondern ein Betrieb reich an Diversität. Ja, hat er herausgefunden, es ist möglich. Landwirte produzieren 70-75% von dem was wir konsumieren. Landwirtschaftliche Groß Konzerne produzieren hauptsächlich Ressourcen für die Weiterverarbeitung, Biotreibstoff und Tierfutter.
Im Prozess der Industrialisierung werden Menschen durch Maschinen ersetzt, Wälder werden abgeholzt und die Nährstoffe der Erde zerstört, Pflanzen werden krank und können sich gegen Insekten und Fungus kaum mehr wehren, deshalb verwendet der konventionelle Landwirt Pestizide und genetisch modifizierte Samen, die beides, die Umwelt und den Menschen kränken.
Menschen wollen Fleisch essen, wir konzentrieren Millionen von Tiere auf kleinster Fläche, wir holzen noch mehr Wälder ab um Tierfutter wie Soyabohne und Mais anzubauen, dazu brauchen wir unsere Wasserreserven auf um Tiere zu ernähren, die wir später essen.
Das Resultat? Wir haben kein Platz um unser eigenes Essen anzubauen und transportieren Lebensmittel um die Erde…

Diese Fakten haben mich zum nachdenken und umdenken angeregt. Mit jedem Lebensmittel das ich kaufe, wähle ich in welche Richtung unser System geht, welche Konzerne oder eben Bauern unterstützt werden.
Es gibt viele Bewegungen, die die Lebensmittel wieder näher an den Menschen bringen wollen. «Urban Gardening» hat sich schon in vielen Städten eingelebt und bereichert nicht nur die Stadtbiene, die Nachbarn und die bessere Luft sondern trägt auch zu einem grüneren Stadtbild bei. Dann gibt es Kooperationen in denen der Bauer direkt an den Konsumenten liefert oder Bauernhöfe bei denen direkt eingekauft werden kann. Es gibt eigenständige, innovative Bioläden, die auch kleinere Bauern im Sortiment haben und somit für ihr Überleben sorgen und uns Konsumenten mit Frische und Ehrlichkeit bereichern. Etwas neuer ist das «Syntropic-Farming», dass sehr ähnlich wie das Prinzip der Permakultur den Wald als Vorbild hat. Das Ziel des Syntropic-Farming ist es, einen essbaren Wald zu kreieren. In welchem eine Reichhaltigkeit an Diversität existiert und zeitgleich alle Pflanzen Essbares abwerfen.

Was kann man also selber unternehmen, um Bewusstsein über eine nachhaltigere Nahrungsmittelkette zu gewinnen?

Eine der simpelsten Methoden ist das anpflanzen eigener Lebensmittel. Zu sehen, wie lange es geht bis der erste, kleine, grüne Spitz aus der Erde dringt und daraus eine Pflanze wächst, die eine Blüte kreiert und später eine Tomate trägt…

Eine andere Idee ist es, aus der eigenen kleinen Box von Gelüsten und Abhängigkeiten zu denken. Das heißt, die Welt nicht nur um sich selber kreisen zu lassen, sondern an die anderen zu denken — an die gesamte Lebensmittelkette.
Wenn wir anfangen aus unserer eigenen kleinen Box zu denken und hinter der Banane im Supermarkt eine Plantage sehen, ein Flugzeug oder ein Schiff das die Banane hierher gebracht hat, ein Lastwagen, ein Verkäufer und dann dich als KonsumentIn… Wenn wir anfangen darüber hinaus zu schauen und uns darum zu kümmern, wachsen wir selber und so auch die Welt um uns herum.

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