Yoga und Vegetarismus / Veganismus

Das Schlüsselwort ist “Ahimsa“. Ahimsa bedeutet so viel wie Nicht-Verletzten oder Nicht-Töten — Gewaltlosigkeit. Dieser Gedanke ist einer der fünf ethischen Grundsätze im Yoga. Es geht darum, wie man sich gegenüber anderen verhält. Die Philosophie des Yoga besagt, wenn man selber Güte erfahren möchte, muss man gegenüber anderen gütig sein. Wer Gewaltlosigkeit an sich selber erfahren möchte, muss Gewaltlosigkeit gegenüber anderen praktizieren. B.K.S. Iyengar schreibt in seinem Buch «Light on Yoga» eine vegetarische Lebensweise sei eine Notwendigkeit um Yoga zu praktizieren. Und er spricht hier nicht von dem Yoga, das wir im Westen all zu gut kennen, das Yoga das praktisch nur auf Körperpositionen basiert. Nein, er spricht davon das Yoga zu leben, Yoga zu sein. Um Yoga zu sein, sagt er, ist eine vegetarische/vegane Lebensweise eine Grundlage.

Ist Fleisch ungesund?

Fakt ist, wenn ein Tier stirbt (beim Schlachter) steht es unter einem enormen Stress. Das Szenario das ein Tier in einem Schlachthof erlebt, kann und will man sich nicht vorstellen. Es ist laut, es stinkt, es wird gehetzt — Stress! Wenn das Tier getötet wird, schüttet der Muskel Wasser aus das mit Angsthormonen versetzt ist. Diese Hormone sind, ob man will oder nicht in jedem Stück Fleisch enthalten. Manche Bioschlachthöfe versuchen eine ruhige Atmosphäre zu schaffen um die Tiere unter möglichst wenig Stress zu versetzten. Während in Massentierhaltungen die Tiere mit Kohlendioxid vergiftet werden und so in der Gruppe in einem Raum sterben, werden auf Bioschlachthöfen die Tiere oft einzeln betäubt (anhand eines Elektrostosses hinter dem Ohr) und danach mit einem Messer getötet. Die Gewalt die im Spiel ist um ein Tier zu töten, ist im Fleisch in Form von Angsthormonen enthalten. Viele Menschen die von Fleischessern zu Vegetariern werden sagen, dass sie sich viel leichter fühlen, viel sanfter und weniger aggressiv. Irgendwie nachvollziehbar.
Von den Nährstoffen her, liefert Fleisch tierisches Eiweiss. Tierisches Eiweiss ist vom Körper einfacher oder besser gesagt direkter verwertbar als pflanzliches. Weniger positiv ist, das Fleisch einen relativ hohen Anteil an Cholesterin besitzt. Fleisch liefert einiges an Purinen, welches als Harnsäure abgebaut wird, was sich negativ auf unsere Gesundheit äussert. Zudem bringt Fleisch mit einem sehr hohen Säuregehalt unseren säure-basen-Haushalt durcheinander.

Kein Fleisch aber Fisch? «Ich bin Vegetarier, esse aber ab und an Fisch.»

Wer sich als Vegetarier bezeichnet, isst keine Tiere. Fische sind Tiere. Fischesser die auf Fleisch verzichten, nennen sich “Pescetarier“ oder um es fachlich ganz korrekt auszudrücken: Ovo-Lacto-Pesco-Vegetarier. Aber das versteht kaum jemand.
Aber zurück zum Fisch. Fische sind kaltblütige Tiere. Sie verfügen über ein sensibles Nervensystem. Es ist also ein Irrtum davon auszugehen, das Fische kein Schmerzempfinden haben.
Es gibt viele Gründe den Fischkonsum einzugrenzen oder sogar darauf zu verzichten. Viele Fische werden mit Schleppnetzen gefangen, die den Meeresboden zerstören. Ein Drittel der weltweiten Speisefisch-Bestände ist bereits überfischt. Ein Drittel.
Die Zahl der jährlich gefangenen Fische beläuft sich auf tausende Miliarden, 25 % der gefangenen Fische ist “Beifang“ und wird tot, verletzt oder geschwächt wieder ins Meer gelassen. Das Verschwinden der Korallenriffe kommt nicht von irgendwo her. Netze gehen im Meer verloren und darin verfangen sich tausende Delfine und Meeresschildkröten. Geht es so weiter mit unserem Fischkonsum, wird im Jahr 2050 eine Begegnung mit einem Fisch unter Wasser kaum mehr vorkommen.
Ein Fisch erleidet einen Erstickungstod. Die Vorstellung dieser Qual, hält viele Menschen vom Fischkonsum ab.

Es verändert nichts, ob ich als Individuum auf Fleisch/Fisch verzichte oder nicht.

Die direkte Auswirkung in Zahlen die ein individueller Verzicht hat, mag klein sein. Wer sich entscheidet auf Fleisch/Fisch zu verzichten, lässt diese Entscheidung in vielem widerspiegeln. Den Lebensstil für den wir uns entscheiden, bringt nicht nur Veränderung in unser eigenes Leben, sondern zieht Kreise. Höchstwahrscheinlich werden Freunde und Familie darauf aufmerksam. Es ist möglich andere mit Entscheidungen oder Erfahrungen zu inspirieren und rücksichtsvoller mit Mensch und Natur umzugehen.

Weshalb vegetarisch?

Paul McCartney sagte einmal: «Wenn die Mauern der Schlachthöfe aus Glas wären, würde jeder Vegetarier werden.»
Ist es einfach so leicht Fleisch zu essen, weil so wenig Transparenz herrscht? Vor sich hat man das bearbeitete oft schon zubereitete Stück Fleisch. Wie hat das Tier ausgesehen? Wo hat es gelebt? Wie ist es groß geworden? Was hat es gegessen? Wie wurde es zum Schlachthof transportiert? Wie wurde es getötet? Und wie wurde es zu dem transformiert, das nun vor dir auf dem Teller liegt?
Die Fleischproduktion verursacht viel Armut auf unserem Planeten. Mit dem Tierfutter das hergestellt wird, könnte die Armut auf unserem Planeten faktisch bekämpft werden – die praktische Umsetzung würde etwas Umplanung erfordern. An vielen Orten an denen Tierfutter angepflanzt wird, war vorhin Regenwald (täglich 550 Millionen Quadratmeter werden abgeholzt — 550 Millionen Quadratmeter). Wer das Gefühl hat, vegetarisch zu leben oder nicht, sei ein ganz persönlicher Entscheid, sollte die Folgen dieser Entscheidung bedenken — diese sind alles andere als persönlich — es sind globale Probleme. Nur weil Fleisch überall verfügbar ist, heißt das nicht, dass man es konsumieren muss. Wer bewusst leben möchte, stellt sich die Frage, was die eigenen Handlungen für Auswirkungen haben. Man besitzt eine Art Stimme als Konsument. Mit jedem Einkauf bestimmt man die Nachfrage für morgen.

Wenn Fleisch dann wie?

Wenn Fleisch dann möglichst «Slow Food». Wer nicht auf Fleisch verzichten möchte oder kann, hat die Möglichkeit nach den Prinzipien von «Slow Food» zu konsumieren. Gut, sauber, fair.
Slow Food zieht nicht nur das Tier alleine in Betracht, sondern die ganzen Umstände in welchen es lebt, von wem es bewirtschaftet wird. Die Vorstellung, das man Fleisch einfach aus dem Kühlregal im Supermarkt holt und dies ein «isolierter» Akt darstellt, ist illusorisch.
Wer bewusst will, will transparent. Kennt man die Bauern in der Umgebung? Kann man mit ihnen sprechen? Den Hof besuchen, die Tiere besuchen? Alles trägt dazu bei, das was auf den Teller kommt mit einer gewissen Haltung zu konsumieren.

Und was ist mit vegan?

Vegan heißt, dass man keine tierischen Produkte konsumiert. Sprich, neben dem Verzicht von Fleisch und Fisch sind dies auch alle Milchprodukte, Eier und zum Beispiel Honig. Wem das alles etwas übertrieben erscheint, kann sich folgende Fragen stellen:

Wann gibt ein Tier Milch?
Was geschieht mit den ganzen Tierbabys nachdem die Tiermutter sie erfolgreich ausgetragen/auf die Welt gebracht hat?
Weshalb trinkt ein ausgewachsener Mensch Kuhmilch (Muttermilch)?
Was passiert mit all diesen Milchkühen, Milchziegen und Milchschafen wenn sie «ausgedient» haben?
Was ist in einem Hühnerei drin?
Der Grund weshalb wir die Muttermilch der Kuh trinken, hat viel mit unserer Kultur, mit unseren Gewohnheiten zu tun und nicht damit, das wir sie physiologisch benötigen. Das Menschen Tiermilch trinken ist ein Phänomen das nicht älter als 7’000 Jahre alt ist, die Milch hat dazumal andere Lebensmittel wie Nüsse, Esskastanien und Samen vom Speiseplan verdrängt. Muttermilch ist perfekt für einen Säugling zusammen gesetzt und enthält dementsprechend Wachstumshormone die in einem ausgewachsenen Menschen Fehlprozesse wie zum Beispiel das Wachstum mancher Krebszellen fördern kann. Kühe geben bloss Milch, weil sie davor künstlich befruchtet wurden (was ein sehr gewaltvoller Akt darstellen kann), sie geben Milch, weil ihnen nach der Schwangerschaft ihr Kalb weggenommen wurde, um Milch für uns zu produzieren. Das bedeutet, wenn wir Milch im Supermarkt in unseren Einkaufskorb legen, gehen Milchkühe durch einen Zyklus von Schwangerschaften, um für uns Menschen Milch abgeben zu können. Der Fakt, dass der Mutterkuh das Kalb immer gleich nach der Entbindung entnommen wird, ist ein außerordentlicher Stress für das Muttertier und führt oft zu früher Ermüdung und so bald auch zum Schlachthof für die Milchkuh. Viele Veganer sind vegan weil Tierhaltungen oft sehr unethisch sind! Da aus Milch eine Großzahl von Milchprodukten hergestellt wird, kommen diese Produkte für vegan lebende Menschen nicht in Frage.
Ein weiteres Produkt das gemieden wird ist das Ei. Würde ein Huhn in der Natur leben, würde es zwischen 10 und 15 Eier pro Jahr leben. Durch Züchtung hat es der Mensch geschafft, dass ein Huhn etwa alle 26 Stunden ein Ei produziert. Oft sind die Haltungsformen von Hühnern völlig verstörend. Wenn man «normale» Eier einkauft, leben diese Hühner in Metallkäfigen, werden vorne gefüttert und sollen hinten bitte einmal pro Tag ein Ei legen. Wer etwas mehr auf die Qualität der Eier und somit Hühnerhaltung achtet, hat ein Ei von Hühnern die in großen Hallen gehalten werden. Noch «besser» gehaltene Hühner haben Zugang zum Freien aber erst unter Demeter (biodynamisch) Vorschriften gehaltene Hühner, haben auch einen Hahn unter der Hühnerschaar, was schon näher an die natürliche Lebensweise kommt. Ein anderer Grund auf das Ei zu verzichten könnte sein, dass es sich im Inhalt des Eies um ein unbefruchtetes Küken handelt. Der Inhalt des Eies stellt also einen Teil der Gebärmutter des Huhnes sowie den Mutterkuchen dar. Das Eigelb ist also die Eizelle. Da die Eizelle nicht befruchtet wurde, ist sie eine Art Ausschuss (ähnlich der einer Monatsblutung des Menschen) der nicht befruchtet worden ist. Das Ei enthält alle Nährstoffe die ein heranwachsendes Küken benötigen würde.
Was bei der Eiproduktion auch noch anfällt ist eine Menge männlicher Küken, die von den weiblichen Küken (später Legehennen) aussortiert werden und grausam sterben müssen (sie werden geschreddert, vergast oder lebend in eine Mülltonne gesteckt…). Ja, es ist hart sich vorzustellen, wie diese süßen gelben, fluffigen Küken umgebracht werden. In der USA alleine sind das pro Jahr 260 Millionen Küken.

Und jetzt?

Menschen haben angefangen tierische Produkte wie Milch und Eier zu essen, weil sie in Not waren, Hungerszeiten erlitten, lange energiezehrende Winter hatten. Dass tierische Produkte so stark in unserer täglichen(!) Nahrung eine Rolle spielen, hat nichts mit unseren physiologischen Bedürfnissen zu tun, sondern mit Gewohnheiten, mit Luxus und Macht gegenüber anderen Lebewesen.

Um auf das Yoga zurück zu kommen.

Wer sich ein Leben gestalten möchte, in dem er oder sie möglichst wenig Leid und Schaden errichtet (Ahimsa), das heißt, respektvoll und liebevoll mit sich selber, anderen Lebewesen und unserem Planeten umgehen will, wählt sehr natürlich eine vegetarische und vegane Lebensweise.

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  1. twinrun

    4. April 2018 um 01:04 Uhr

    Maria-Bernhardine 26. März 2018 at 10:36 (Jeder zusätzliche Einwohner belastet unsere Umwelt durch Anspruch auf Wohnung/Haus, Mobiliar, Gerätschaft, Kleidung, Autos, Straßen, Strom, Heizmaterial, fleischreiche Ernährung, Wasser, Luxus, Gülle, Abfall: belastet unsere Fauna u. Flora! Erzählt doch mal den extrem Fleischfressenden Moslems u. Negern was vom Vegetarismus!) Diese Gedanken habe ich mir auch schon öfters gemacht. Vor allem die GrünInnen scheinen aber auf diese Idee nicht zu kommen (alle zu blöd und zu gehirngewaschen, um die Realität wahrnehmen zu können). Bis jetzt wurde von denen um jeden kranken, zu fällenden Baum gekämpft, aber wenn es um die „Goldstücke“ geht, dürfen jetzt alle Bäume gefällt und alle Grünflächen zubetoniert werden. Von dem ganzen Müll und Dreck den diese „Schutzsuchenden“ produzieren und ungeniert auf den Straßen verteile, ganz zu schweigen. Ressourcenverbrauch bzw. -verschwendung ist für diese „GutmenschInnen“ plötzlich kein Thema mehr. buy cialis

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